Schwächen darf es nicht geben

2008 Oktober 21
by Inga Oltersdorf

Schnelligkeit, Ziele erreichen und alles muss funktionieren. All die Genauigkeit und Beharrlichkeit, um eigene Stärken ins rechte Licht zu rücken.

Es kommt mir vor, als würden Fehler heute fast eine Strafe sein. Ein großes Übel, was einfach nur im Weg steht. Schwächen gelten schon bald als Behinderung oder Handicap. Was darf nicht sein, weil es die Gradlinigkeit unterbricht? Alles ist aufgeteilt in zwei Teile: Stärken präsentieren ein Top funktionierendes System, das keine Lücken aufweist. Sämtliche Gesetze und Paragraphen puffern ab, was seine Richtung verloren hat. Das ist der andere Teil, er ist integrationsbedürftig. Menschen, die aus diesem Raster herausfallen und es nicht schaffen sich einzureihen. Weil sie ihre Schwächen zu ihren Stärken machen. Weil ihnen Menschlichkeit mehr am Herzen liegt, als Funktion.

Es kann nur integriert werden, was angenommen wird. Und Schwächen, Unsicherheiten als persönliches Handicap sind selten willkommen. Sie bringen alles durcheinander und verschwenden Zeit.

Ich verschwende gerne Zeit…

  1. 2009 Februar 21
    Christine Kalis Permalink

    @ Inga

    Ja, genau.
    Alles MUSS funktionieren. Im MUSS liegt für mich der Knackpunkt. Ständig hämmert dieses MUSS in meinem Kopf. Ich muss dies und das. Kaum läuft etwas „schief“ kommt die Analysemaschine in Gang. Der Vermeidungsdrang, verdecken, vertuschen um jeden Preis, damit ja nicht ans Licht kommt, daß ich Fehler mache und damit Schwäche zeige.
    WAS FÜR EIN BLÖDSINN.
    Diese verdammten Masken.
    Wie wunderbar wäre es einfach die Masken fallen zu lassen. Uns einander in unserer Menschlichkeit wieder zu entdecken.
    Was wäre wenn wir alle auf einmal Fehler und Schwäche als Geschenk dankend annehmen könnten? Wir bräuchten uns endlich nicht mehr zu verstecken, nicht mehr lügen, betrügen.
    Wir wären endlich frei, ALLE. Es gäbe keine Wertung mehr. Jeder Mensch wäre es wert geschätzt und geachtet zu werden. Wir könnten wieder miteinander sprechen und uns gegenseitig unterstützen. Wir alle dürften authentisch leben.
    Liebe Inga, es ist schön für mich wie wir so offen miteinander sein können, obwohl wir uns wenig kennen. Ich danke für unseren Mut.
    Lieber Gruß
    Christine

  2. 2009 Februar 22
    Christine Kalis Permalink

    Ich fange bei mir selbst an, nehme die Masken ab. Stehe da … nackt… mutig… Fehler und Schwächen trage ich offen…verletzlich… aber FREI.

  3. 2009 Februar 22

    @ Christine

    Du erinnerst mich durch deine Worte an das, was ich vor einiger Zeit hier geschrieben habe…
    Die Bewertung genau. Die ist es, die ein authentisches Miteinander so oft hemmt oder fast unmöglich macht. Ich hebe die Arme, strecke meine Hände aus und sage zu denen, die ich vor mir sehe: ich schätze dich mit dem was ich in dir sehe und finde es wertvoll dich zu treffen. Denn meine Unsicherheit lässt mich dankbar sein, durch eine Begegnung zu lernen, was ich nicht so kann…Jeder Fehler, die verletzlichkeit lässt mich frei sein, wenn ich den Mut habe mich offen zu geben. Auch wenn die Angst da ist. Sie führt mich in den rechten zeitpunkt.

  4. 2009 Februar 22

    Die berühmte Familientherapeutin Virgina Satir (USA) hat einmal gesagt: Wenn du einen Fehler machst, dann feiere ein Fest.
    Dieser Satz hat sich mir tief eingeprägt – vor allem immer dort, wo es um Veränderungsprozesse geht und es unvermeidlich ist, dass wir durch Fehler lernen. In Deutschland gibt es so viel unerlöste Schuldthemen, dass wir bei Fehlern immer wieder in Schuld- und Schamgefühlen versinken. In den USA geht man dagegen mit Fehlern anders um… Wie wäre es sonst möglich, dass Barack Obama bereits in den ersten 40 Tagen seiner Amtsperiode Fehler öffentlich eingesteht und korrigiert…
    Fehler schenken uns Einsichten und sie prüfen unsere Absichten. Einen Fehler, den wir eingesehen und verstanden haben, müssen wir nur einmal machen. Schneller können wir doch gar nicht lernen, oder? Was für ein Segen, dass wir Fehler machen.

  5. 2009 Februar 22
    Christine Kalis Permalink

    @ KommentatorInnen

    Ich bin fasziniert von der Vielfalt der Assoziationen. Jeder hat seine eigene persönliche Idee bei dem Thema Schwäche, Schuld. Gespannt lese ich imer wieder neue Kommentare von Menschen, denen ich mich irgendwie nahe fühle, obwohl wir uns noch nie in der Realität begegnet sind. Guten Abend Euch allen.

  6. 2009 März 8
    Christine Kalis Permalink

    Wenn ich mich traue alles zu zeigen, was ich bin hat mein Gegenüber die Möglichkeit mich zu sehen. Dafür muss ich erstmal mich selbst sehen können. Es gibt so viele Schichten von Masken,
    Schutzmasken. Ich kann sie nur Schicht für Schicht ablegen. Irgendwann traue ich mich auc ohne Masken dazustehen und kann sagen: „Das bin ich“. Eine MAske wird vielleicht in einem kurzen Moment angelegt, zum Überleben.
    Sie abzulegen benötigt soviel mehr Zeit, weil man sich schon so an sie gewöhnt hat. Ohne fühle ich mich erstmal schutzlos.

  7. 2009 März 8
    Christine Kalis Permalink

    Vielleicht ist ein Mensch mit abgelegten Masken,
    von solch einer strahlenden Schönheit und Anmut. In seiner Unvollkommenheit so Vollkommen, wir von seiner Menschlichkeit so sehr berührt würden, weil wir uns selbst darin erkennen, dass wir in Ohnmacht fallen würden.

    So halten wir lieber noch eine Weile fest am alten Spiel der Bewertung und Verurteilung. Am Recht und Unrecht.

    Wahrscheinlich haben wir Angst vor dieser umfassenden Liebe, die uns die Kontrolle nimmt.
    Jeder sehnt sich so sehr danach und nur wenige trauen sich in den unkontrollierbaren freien Fall hinein in das Ungewisse losgelöste Sein.
    Ich auch nicht…. aber ich will dahin…..

  8. 2009 März 8
    Christine Kalis Permalink

    Was ist normal?

    >>Es ist normal, verschieden zu sein<<
    (r.v.weizsäcker)

Eine Antwort schreiben

Note: You can use basic XHTML in your comments. Your email address will never be published.

Diesen Kommentar-Feed via RSS abonnieren.