Etwas wild und elementar

7. Juli 2009 - One Response

Ich pflege den Schrebergarten von Bekannten, die mit einem Zigeunerwagen und zwei Pferden für ein halbes Jahr durch Deutschland reisen.

Bei meinen Besuchen in dem etwas verwilderten, chaotischen und sehr elementaren Garten, stelle ich immer mehr fest, dass auch ich sehr elementar veranlagt bin. Mit meinen Händen in der Erde zu wühlen, die ganze Zeit an der frischen Luft zu sein, ein Feuer zu machen, mit meinen Händen das Gegrillte zu essen und mir als Erfrischung aus dem Gartenschlauch kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen…All das macht mich wirklich glücklich.

Der Natur so nah zu sein, füllt mich bis in meinen großen Zeh.

…und immer wieder die Musik

2. Juli 2009 - One Response

Zum 01. Juli´09 hat sich eine WG aufgelöst, in der einige Bekannte von mir wohnten. Eigentlich ja nicht wirklich etwas Besonderes, doch für mich schon. Denn in dem Haus gab es einen Musikkeller, wo ich einige Male spontane, improvisierte Musiksessions mitgestalten und miterleben durfte.

Musik

Das hat immer so ein Spaß gebracht. Wie von selbst haben sich Rhythmen verschiedener Instrumente gefunden, sich für Augenblicke begleitet und manchen Ohren wunderbare Klänge geschenkt.

Für den Musikkeller kam aber schon etwas Neues, wie von selbst “angeflogen”, und diesmal sogar direkt zu mir nach Hause: meine allerliebste Heike aus Hamburg hat mir ihr Saxophon ausgeliehen!! Aus den tiefen meines Bauchs kamen Töne und ich habe wirklich auf Anhieb spielen können, was mich so glücklich macht.

Als ich 10 Jahre alt war, hatte ich eine Probestunde auf einem Saxophon. Doch mein Vater wollte, dass ich Geige spielen lerne. So entschied ich mich für die Geige. Aber irgendwie wusste ich immer, dass mir das Saxophon Spielen vielmehr zusagt und besser zu mir “passt”. Die Geigenstunden waren auch von Woche zu Woche,  bis ich mit 14 Jahren aufgegeben hatte, eher eine Qual, statt ein Genuss.

Da hat mir Heike ein riesiges Geschenk gemacht, denn plötzlich habe ich etwas von mir wiedergefunden, was mir von ganzem Herzen so eine Freude macht.

Danke liebe Heike, und Tschüss Musikkeller und WG in der Bismarckstraße…

Was für eine Erleichterung

1. Juli 2009 - Leave a Response

Nicht zum 1.Mal versucht sich ein neuer Friseursalon in Flensburg zu behaupten. Im Stadtteil der Neustadt, wo sowieso schon viele Nationalitäten vertreten sind, eröffnet der Friseur “Multi Kulti”.

Multikulti

Ich bin  erleichtert, weil ich glaube dieser Salon wird einen guten Start haben. Aber erleichtert bin ich, weil ich nun jedesmal mit Leichtigkeit und Freude an diesem Salon vorbeigehe.

Dieser neue Friseur steht für mich ab jetzt wie ein Wahrzeichen in der Neustadt: Unterschiede treffen sich beim Frisieren – von den Haarspitzen an…

MultiKulti steht für mich für Vielfalt, Andersartigkeit, Lebendigkeit und für eine große Portion an Offenheit, gegenüber anderen Umgangs -und Denkweisen, sowie ungewohnten Strukturen.

Zarte Klänge

26. Juni 2009 - Leave a Response

Diese beiden Frauen fangen mit ihren Stimmen so viel Zärtlichkeit ein, die mich bei jedem Anhören aufs Neue sehr rühren. Sie erinnern mich und machen mich aufmerksam.

Cocorosie ist nicht Jedermans Geschmack. Doch mich verzaubert ihre Musik. Ihre Sprache – durch ihren Gesang, durch ihre Bilder und durch ihre Videos – lassen mich soviel Fantasie und Träume einsammeln und finden.

Diese Zartheit lässt mich Wiederfinden, mit all meinen Sinnen…

Irgendwo ist Schluss

25. Juni 2009 - Leave a Response

Neulich sah ich in meiner Straße, in der ich wohne einen jungen Mann. Er trug einen Pullover mit der Aufschrift: Afrika braucht deutsche Kolonien!

Was gibt es da noch zu sagen? Geschockt starrte ich diesem Menschen hinterher, bis er verschwunden war. Aus Scham waren meine Hände feucht und mir wurde schwindelig.

Respekt und Toleranz hören auch bei mir irgendwo auf, wenn sie nicht von Menschlichkeit genährt werden.

Ich zeige mein Gesicht und finde auch, dass es sich schöner Leben lässt ohne Nazis.

[ via Demokratie24]

Von oben kommt die Polizei

11. Juni 2009 - Leave a Response

Vor einiger Zeit bin ich am Flensburger Hafen entlang gegangen. Zu zweit sind wir entspannt Spazieren gegangen. Wir kamen an einem Gelände vorbei, das mit einem Zaun abgesperrt war. Einer von uns Beiden entdeckte auf  so einem weißen Elektrokasten, eine kleine Plüschmaus. Wir setzten sie auf den Zaun, aus Spaß an der Freude, um die kleine Maus aus der Entfernung besser sehen zu können. Plötzlich kam von hinten der Satz: “Was soll das bitte werden, wenns fertig ist? ” Zwei Polizeibeamte kamen angefahren, wiesen uns zurecht und sprachen mit ermahnender Stimme aus ihrem Streifenwagen heraus. Ich entschuldigte mich sofort, meine Begleitung war dabei sich aufzuregen. Die Polizisten fuhren weiter und hinterließen ein sprachloses und ein aufbrausendes Gemüt.

Gestern las ich im Flensburger Tageblatt diesen Artikel. Junge Männer wurden von der Polizei nicht gerade nett behandelt. Sie wurden mit körperlicher und verbaler  Gewalt zusammen gefaltet. Schickaniert.

Mich regt es wirklich auf, wenn gesetzliche Hierarchien von Seiten der Polizei genutzt werden, um einem Machtspielchen nachzugehen. Schon so oft habe ich von der Polizei das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie in keinster Weise für Gerechtigkeit sorgen. Vielmehr geniessen sie ihre “höhere” Stellung, um sich in ihrer Dynamik als die Stärkeren über die “Opfer” zu stellen und den “Unterworfenen” ein Ohnmachtsgefühl in den Rücken zu stellen. Ich könnte wirklich an die Decke gehen: was Bitteschön hat das mit Gerechtigkeit, Menschlichkeit oder irgendeiner Form von Gleichheit oder Einigkeit zu tun? Ein Ausgeliefert sein macht hilflos, und mich sprachlos! Was von Oben kommt, ist Gesetz und fertig.

Manchmal wundere ich mich, wie intensivst staatliche Strukturen in Eigendynamik funktionieren. Und ich frage mich: an wen kann ich mich richten, wenn ich mit einer Schlaghose gleich als “gefährlich” von Seiten der Polizisten auf einer Demo eingestuft werde?

Für mich kommt es vor wie ein kategorisches Denken, das in seiner Dominanz eine solche Wirkkraft hat, dass individuelle Sichtweisen unter einem Meer von Normen und Werten verschwinden. Ist das Demokratie? Oder ist das “einfach nur” ein Abbild längst überholter Grundgedanken?